Reiten mit Reitpad / Bareback Pad


Das Reiten mit Bareback Pad oder Reitpad sowie Fellsattel (ja, der gehört zu den Bareback Pads und
nicht zu den Sätteln!) wird immer beliebter :-)

Das ist schön so, denn man kann als Reiter seinen Sitz schulen und das Pferd mit sehr feinen Gewichtshilfen reiten. Dabei werden die korrekten oder falschen Hilfen direkt übertragen, sie kommen also ungefiltert (nicht wie es z.B. ein Baumsattel macht) beim Pferd an. Das Pferd reagiert entsprechend - an dieser Stelle ist mir eines sehr wichtig - wie auch immer das Pferd reagiert, ist es kein Unwille, keine Sturheit oder was sonst noch alles so den Pferden unterstellt wird.  -  Es reagiert lediglich ganz natürlich auf die Gewichtshilfen des Reiters mit dem Weichen vor Druck bzw. dem Bedürfnis den eigenen Körper unter dem Reitergewicht auszubalancieren. Oder anders gesagt: jede Reaktion / Bewegung des Pferdes ist dem Sitz des Reiters geschuldet!

Das ist bei einem unausbalanciertem Reiter anstrengend für das Pferd und sollte bei der Dauer der Reiteinheit Beachtung finden!
Nichtsdestotrotz ist ein Reitpad eine tolle Möglichkeit zur Sitzschulung, auch für Reiter, die bereits ausbalanciert sitzen. Es schadet nie von Zeit zu Zeit den Sitz und die Hilfen weiter zu schulen. -> Als Centered Riding- Trainerin ist mir das ein besonderes Anliegen ;-)

 

Wenn es um das Reiten mit einem Pad geht, taucht auch immer wieder die Frage nach der Form, Polsterung, Wirbelsäulenfreiheit usw. auf. 

Ich habe bereits erwähnt, dass Fellsättel und Reitpads nicht mit Sätteln zu vergleichen sind.

Ein Sattel sorgt in meinen Augen für eine gute, gleichmäßige Gewichtsverteilung von Reitergewicht, Druck von Gurt und Steigbügeln auf der gesamten Auflagefläche.
Das kann ein Reitpad / Bareback Pad / Fellsattel (mit Ausnahme v. Mattes) nicht leisten!
Und das ist ja auch gut so. Ein Bareback Pad soll ja nur das Reiten ohne Sattel für Pferd und Reiter komfortabler machen.

Reitpads sollten vor allem in der Sitzfläche gut abgepolstert sein, um den Druck der Gesäßknochen abzupolstern. 

Es taucht immer wieder die Frage nach Wirbelsäulenfreiheit auf. Aber braucht ein Pad das? Macht es Sinn und funktioniert das überhaupt wie gedacht?

Werfen wir dazu erst einmal einen Blick auf einen guten baumlosen Sattel oder auch Baumsattel. Ein Sattel besitzt durch einen Baum oder flexible, aber feste Konstruktion die Fähigkeit das Reitergewicht gleichmäßig zu verteilen. Nur durch diese feste Bauweise ist es möglich, den Sattel mit entsprechender Polsterung über der Wirbelsäule zu halten.  -  Doch das ist ohne feste Bestandteile, wie in einem Reitpad, gar nicht möglich! 

Ein Blick in die menschliche Anatomie zeigt, dass die Gesäßknochen mit ihren Sitzbeinhöckern (rote Linien) sich nicht mittig unterhalb des Beckens befinden. Sitzt der Reiter auf dem Pferderücken liegen sie neben der Wirbelsäule! (s. Nr. 7) sitzbein

(Wenn Ihr euch auf einen harten Stuhl setzt und dann die Hände unter euren Po legt, könnte ihr die sogenannten Sitzbeinhöcker, die Spitzen des Gesäßknochens, fühlen.)

-> Bei Frauen beträgt der Abstand zwischen den Höckern ca.
     9-17cm, bei Männern 6-16cm.

     .... Hat die Natur das nicht super eingerichtet?! Das ist
    doch schon ungefähr der 
Abstand den wir für
    die Wirbelsäulenfreiheit am Sattel verwenden! ;-)

Aber nichtsdestotrotz können sich diese Sitzbeinhöcker schmerzhaft in die Muskulatur bohren (das kennt jeder, der schon mal ein auch recht leichtes Kind auf dem Schoß gehabt hat). 
Wenn nun das Pad gut in der gesamten Sitzfläche gepolstert ist, ist das völlig ausreichend, da die Wirbelssäulenfreiheit aufgrund fehlender fester Bestandteile gar nicht aufrecht erhalten werden kann.
Deshalb braucht man zum Einen ein gut gepolstertes Pad und zum anderen auf jeden Fall einen gut bemuskelten Pferderücken -> die Wirbelsäule darf nicht höher als die Muskulatur herausragen!!
Es können also Pads mit oder ohne Wirbelsäulenfreiheit genutzt werden, da wir als Reiter gar nicht mittig auf der Wirbelsäule sitzen

Hat man ein polsterbares Reitpad bzw. legt man ein polsterbares Sattelpad mit Wirbelsäulenfreiheit und evtl sogar Kunststoffstabilisatoren unter, wie es z.B. bei vielen Fellsätteln der Fall ist, kann gutes Polstermaterial / guter Filz ist den Reiter über der Wirbelsäule halten.

Reitpad 

Wichtig ist weiterhin, dass die Gurt- und Bügelstrupfen nicht über den Rücken verlaufen. Dies kann schnell zu Problemen führen. Ebenso sollten natürlich die Bügel, wenn man denn unbedingt welche an so einem Pad benötigt, nicht zum Leichttraben oder zum Reiten im leichten Sitz verwendet werden. Diese können schmerzhafte Druckspitzen verursachen. Am besten lässt man sie also ganz weg ;-)

 

Eine weitere Frage, die immer wieder auftaucht, ist die nach der Druckverteilung insgesamt. Ein Reitpad oder Fellsattel ohne feste Bestandteile kann, auch mit sehr guter Polsterung, den Druck immer nur begrenzt verteilen. (Ein flexibler oder guter baumloser Sattel kann den Druck über die gesamte Sattellage verteilen.) Das ist einfache Physik. (Zwei feste Körper, die aufeinander gedrückt werden, üben Druck auf die darunter liegende Fläche aus. Je größer die feste Fläche ist, desto geringer ist die Kraft, die auf einen bestimmten Punkt einwirkt.)

 

 

Das Reiten mit Pad ist gutes und sinnvolles Training für Pferd und Reiter, es macht Spaß und ist mal eine tolle Abwechslung. Dennoch gibt es, wie man sieht, ein paar Dinge zu beachten. Neben der Polsterung, möglichst keine Steigbügelnutzung, ist auch die Bemuskelung des Pferderückens entscheidend bzw. die Dauer der Nutzung.

Mein Fazit:
Mit einer guten Polsterung kann man Wirbelsäulenfreiheit schaffen, aber man erreicht bei einem Reitpad / Fellsattel NIE eine großflächige  DRUCKVERTEILUNG - daher kann ich eine Verwendung als Dauersattel nicht empfehlen.

Ein Reitpad oder Fellsattel sollte also nicht dauerhaft genutzt werden. Es empfiehlt sich mit kleineren Reiteinheiten zu starten, um sich selbst und das Pferd daran zu gewöhnen. Später kann das Pad dann z.B. ein bis zweimal pro Woche zur Abwechslung, neben dem normalen Training mit festem Sattel, genutzt werden.
Und wie bei allen anderen Ausrüstungsgegenständen, gilt auch hier: Nicht jedes Pad-Modell passt auf jeden Pferderücken und zu jedem Reiter!

 

 ...weil mir die Gesundheit aller Pferde am Herzen liegt!

In diesem Sinne,
Eure Sarah 
von baumlos-glücklich

 

Schreibt uns gern, wenn Ihr Fragen zu dem Thema habt. Und wir freuen uns natürlich auch über Eure Meinung in den Kommentaren :-)

 

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